16. April 2018 jkoenig

Meisterliche Schmuckstücke, adäquat präsentiert

Julius Brantner Brothandwerk gestalterisch beraten zu dürfen, schildern die zwei Architektinnen Nicole Hurt und Ina Spöckmaier als »ungewöhnlich emotionales Projekt, das von viel Wertschätzung und Vertrauen geprägt war.« Vor allem, weil Auftraggeber rar sind, die mit einem aufgeschlossenen Wesen und fundierter Ahnung auf handwerkliche Themen anspringen.

Die architektonische Gestaltung wurde ergänzt durch grafische Aspekte von Melville Brand Design. Beschilderung, Packaging, Logo und Geschäftsausstattung tragen demnach die Handschrift des Münchner Grafikbüros, und komplettieren nahtlos die Konzeption von Studio Miniplus.

Alle Materialien verkörpern Werte

Die Inhaberinnen bescheinigen Julius Brantner eine ganzheitliche Wahrnehmung für architektonische Belange. »Alle verwendeten Materialen sollen die moralischen, nachhaltigen Prinzipien der Bäckerei verkörpern.« Und so wählten sie einen gekörnten Terrazzo für die Theke sowie Buchenholz, das in Bäckerkreisen ohnehin häufig vorkommt, da es als einziges Holz den genormten Hygienestandards entspricht.

Neben einer industriell anmutenden Zementspachtelung zogen die Architektinnen als rohes Element Messing hinzu, »weil es nach einem gewissen Zeitraum eine wunderbare Patina bekommt, genau wie die Bäckerei selbst«, so Nicole Hurt. »Der Kerngedanke ist, dass Julius durch sein Brothandwerk eine verlässliche, bleibende Qualität schafft.«

Kleine Manufakturen, große Wirkung

Diese Wertigkeit vermitteln die robusten und gleichzeitig anmutigen Messingbuchstaben genauso, deshalb erfährt Messing auch bei der Wandbeschriftung von Melville Brand Design Verwendung. »Materialität, die nichts versteckt oder zu imitieren versucht«, beschreibt Johannes König, Art Director bei Melville, den Charakter des Messings, welches er bei den Letterings aufgriff: »Wichtig war uns, echtes Handwerk auch in den Produktionen widerzuspiegeln, also Letterpress für die Produktkarten, Fräsen aus Messingplatten oder Stempeln auf Kraftpapier.«

Mit der Schrift Albertus hat der Art Director einen sehr klassischen Font gewählt, der 1940 speziell für Beschilderungen von Handwerkern entwickelt worden ist. »Für uns die ideale Voraussetzung sie durch Farbigkeit und Materialkombinationen in ein neues Licht zu setzen.« Die Produktkarten ließ Johannes König in einer kleinen Münchner Letterpress-Werkstatt umsetzen – so macht die Unterstützung hochwertiger Manufakturen und umweltbewusster Betriebe auch bei den unscheinbaren Details nicht Halt.

Optische Details mit Geschichte

Der homogene Steintresen an sich ist als Herzstück des Verkaufsraums ein maßgeblich tonangebendes Element: Studio Miniplus entschied sich, die Brote einzeln, wie Schmuckstücke, hinter einer niedrigen Glasfront zur Geltung zu bringen. Für zusätzliche Eleganz sorgt der Verkauf direkt aus dem Bäckerregal, so dass die ausgestellten Meisterstücke zur Ansicht liegen bleiben. »Frischer geht’s nicht!«, lacht Ina Spöckmeier. »Direkt von der Backstube zum Kunden – mit dem traditionellen Bäckerregal als natürliche Trennwand zwischen den beiden Bereichen.«

Apropos: Von außen betrachtet gibt es übrigens gar keine optische Trennung – rundum verglast bietet die Backstube völlig transparent Einblick in Julius’ Alltag. Und der ist wahrhaft schön anzusehen! Handgefertigte Leuchten einer Münchner Manufaktur tauchen die Brote und Geräte in eine Lichtfarbe, die Julius’ an den alten Backstubencharme aus seiner Kindheit erinnern. Überhaupt soll die Biografie des Ladeninhabers überall durchscheinen: »Beim gemeinsamen Umbau des ehemaligen Feinkostladens hatten wir immer zum Ziel, Julius’ Geschichte mitzunehmen«, so Studio Miniplus. »Unser Konzept soll den Blick dafür schärfen, was seine Philosophie von anderen abhebt.«

Weitere Infos zu den Designern:
Studio Miniplus | Melville Brand Design

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